KI schreibt jetzt deine Configs. Braucht es den Network Engineer 2026 überhaupt noch?

Fabio DarmsAllgemein, Netzwerk

Auf der Cisco Live 2026 in Las Vegas fand die KI die Root Cause einer langsamen Anwendung in 45 Sekunden, quer über alle Layer hinweg. Eine Analyse, die sonst Stunden dauern kann.

Troubleshooting, Config Changes, Ticket Triage oder Pattern Matching bei Störungen. Genau die Tätigkeiten, die viele von uns jahrelang definiert haben, übernimmt zunehmend die KI. Zeit für die unbequeme Frage: Braucht es den Network Engineer überhaupt noch?

Was KI heute schon kann

Die Zahlen von Gartner sind deutlich: Bis Ende 2026 werden 30 % der Unternehmen mehr als die Hälfte ihrer Netzwerkaktivitäten automatisieren (2023 waren es unter 10 %). Bis 2027 soll generative KI 25 % aller initialen Netzwerk-Konfigurationen erstellen. 2024 lag der Anteil bei unter 3 %. Bis 2029 sollen 70 % der Unternehmen agentische KI für den Betrieb ihrer IT-Infrastruktur einsetzen.

Die grossen Hersteller treiben diese Entwicklung aktiv voran. Cisco nennt seine Vision „AgenticOps». KI-Agenten, die auf Basis von Live-Telemetrie eigenständig Hypothesen testen, Root Causes finden und innerhalb definierter Policy Grenzen Fixes ausführen. HPE Juniper geht mit der Mist-Plattform in dieselbe Richtung und spricht offen vom „Self-Driving Network». Der KI-Assistent Marvis behebt Fehlkonfigurationen an Ports oder Kapazitätsprobleme inzwischen autonom. Und Cisco hat gleich das gesamte Zertifizierungsprogramm umgebaut: Seit Februar 2026 heisst der DevNet-Track „CCNA/CCNP/CCIE Automation», und AI-Themen ziehen sich durch alle Zertifizierungspfade, vom CCNA bis zum CCIE.

Die Argumente der Skeptiker: Der Beruf schrumpft

Wer ehrlich hinschaut, sieht echte Verschiebungen. Laut TechTarget schrumpft die Nachfrage nach Einstiegsrollen, die sich rein auf manuelle Konfiguration konzentrieren, weiter. 38 % der Unternehmen berichten bereits von Personalmassnahmen im Zusammenhang mit KI, wobei Junior- und Mid-Level-Positionen am stärksten betroffen sind. Wenn KI die Routinearbeit übernimmt, mit welcher Generationen von Engineers ihr Handwerk gelernt haben, stellt sich zudem eine strukturelle Frage: Wo sollen die Seniors von morgen herkommen?

Die Gegenposition: Augmentierung statt Ersatz

Die Mehrheit der Branche sieht es anders. In einer Superblocks Umfrage widersprechen 70 % der Engineering Leader der These, KI werde Kern-Engineering Funktionen ersetzen. 72 % der Unternehmen planen 2026 gleich viele oder mehr Engineers einzustellen.

Dazu kommt ein technisches Argument: KI ist stark im Pattern-Matching gegen bekannte Probleme, aber Netzwerke fallen jeden Tag auf neue, kreative Weise aus. KI liefert Ergebnisse, die auf den ersten Blick vernünftig aussehen, aber nicht unbedingt richtig sind. In einem Netzwerk, in dem ein falscher Config-Push einen Konzern lahmlegen kann, ist genau diese Differenz der Job.

Unsere Einschätzung: Der Beruf verschwindet nicht – er verschiebt sich

Realistisch betrachtet passiert beides gleichzeitig. Die klassische CLI-Handarbeit wird weniger wert, während neue Aufgaben entstehen. Drei Verschiebungen zeichnen sich ab:

KI wird gute Engineers besser machen und mittelmässige entlarven. Das eigentliche Risiko 2026 ist nicht, durch KI ersetzt zu werden, sondern durch jemanden, der KI besser einsetzt als du.

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Quellen